Psychotherapie für Menschen mit Pädophilie und Tatneigung

Angebot der Behandlungsinitiative Opferschutz (BIOS-BW) e.V.

(LPK BW)

Inzwischen gibt es eine breitere Wissensbasis in Politik und Gesellschaft und es ist bei relevanten Kostenträgern angekommen: Die präventive Arbeit mit Menschen mit pädophilen Neigungen ist eine gesellschaftspolitisch wichtige psychotherapeutische Aufgabe. Vor diesem Hintergrund haben sich in den letzten Jahren bundesweit und in Baden-Württemberg fachkompetente Zentren entwickelt, die orientiert an hohen Qualitätsstandards unter Einsatz von erfahrenen und approbierten psychotherapeutischen Mitarbeitern u.a. finanziert durch den Spitzenverband der Krankenkassen (GKV) oder Mittel des Landes Baden-Württemberg therapeutische und präventive Angebote zur Verfügung stellen. Diese Zentren ergänzen die ambulante psychotherapeutische Versorgung. Erstanlaufstellen wie niedergelassene Therapeuten, ambulante oder stationäre Einrichtungen können betroffene Personen an diese Einrichtungen verweisen. Die Besonderheit dabei ist, dass trotz sichergestellter Therapiefinanzierung die Anonymität der Betroffenen gewahrt bleibt.

Therapeutische Vorgehensweise

Wie bei der Behandlung anderer psychischer Störungen gilt es auch hier den Patienten an das therapeutische Setting heranzuführen und eine tragfähige therapeutische Beziehung aufzubauen. Gerade in der Arbeit mit dieser Patientengruppe, welche u.a. durch ein hohes Schamgefühl geprägt ist, stellt der Abbau von Bedenken und Ängsten gegenüber dem Therapeuten oder dem therapeutischen Setting eine wichtige Basis für das weitere Arbeiten dar. Auf der Grundlage einer tragfähigen und vertrauensvollen therapeutischen Beziehung wird zunächst die Therapiemotivation gestärkt. Die Therapieangebote basieren auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft. Zu Beginn der Behandlung wird gemeinsam mit dem Patienten ein individuelles Störungsmodell erarbeitet, d.h. die Faktoren, die für die Tatneigung verantwortlich sind, werden differenziert herausgearbeitet. Hier spielen lebensgeschichtliche Ereignisse, relevante Erfahrungen, aber auch dysfunktionale Kognitionen und Grundüberzeugungen sowie Persönlichkeitsmerkmale oder Verhaltensweisen, die mit der Tatneigung assoziiert sind, eine zentrale Rolle. Basierend auf diesen Faktoren wird die Therapie individuell konzipiert und konkrete therapeutische Ziele vereinbart. In geschütztem Rahmen können Patienten über ihre sexuellen Phantasien sprechen, eigene Probleme und Leidenszustände bearbeiten und ihre Selbstkontrolle stärken; auf Wunsch des Patienten auch anonym. An oberster Stelle des therapeutischen Angebots stehen die Schweigepflicht des/r Therapeuten/in und der Datenschutz. Die Daten bleiben geheim, auch die Krankenkassen erhalten keine personenbezogenen Informationen über die einzelnen Patienten.

„Stopp – bevor was passiert!“ - Angebot der Behandlungsinitiative Opferschutz BIOS-BW e.V.

Das Präventionsprojekt „Keine Gewalt- und Sexualstraftat begehen“ wurde von BIOS-BW e.V.  bereits 2015 ins Leben gerufen. Mit Unterstützung des Landes Baden-Württemberg konnte ein therapeutisches Angebot für tatgeneigte Personen, die befürchten, eine Gewalt- oder Sexualstraftat zu begehen, etabliert werden. Behandlungen sind möglich in Karlsruhe, Mannheim, Heidelberg, Mosbach, Heilbronn, Rottweil, Freiburg, Offenburg, Lörrach, Villingen-Schwenningen sowie Berlin und Koblenz.

Zum 01.01.2019 wurde das Angebot von BIOS-BW e.V. vom GKV-Spitzenverband als Therapieeinrichtung zur Behandlung von Personen mit pädophiler Sexualstörung nach § 65d SGB V anerkannt. Personen, die die ICD-10- Diagnose erfüllen, erhalten im aktuellen Projekt „Stopp – bevor was passiert!“ einen Therapieplatz. Voraussetzung ist, dass der Klient aktuell nicht ermittlungsbehördlich verfolgt wird. Für die Klienten mit ICD-10-Diagnose Pädophilie ist das Therapieangebot kostenlos. Die Klienten dürfen anonym bleiben. Den Krankenkassen werden keine Personaldaten mitgeteilt.

Kontakt

Tel.:               0721 47043935, Sprechzeiten Montag bis Freitag von 9.00 bis 16.00 Uhr.
E-Mail:         stopp [at] bios-bw.de

Website:      www.bevor-was-passiert.de

„Kein Täter werden – straf- und schuldfrei bleiben“

An der Universitätsklinik Ulm wird ein spezialisiertes sexual- und psychotherapeutisches, ggf. auch medikamentöses Angebot für Menschen mit pädophilier oder hebephiler Präferenz im Dunkelfeld angeboten, die unter ihrer Präferenz leiden und Interesse an therapeutischer Begleitung haben; kostenlos, unter Schweigepflicht sowie anonym. Das gruppentherapeutische Angebot bietet eine Chance auf die Verbindung zu Menschen mit gleichen Themen und damit die Erfahrung, nicht alleine zu sein und sich gegenseitig unterstützen zu können, neue Beziehungserfahrungen, d.h. neue Sicht- und Erlebnisweisen durch die Auseinandersetzung mit anderen Teilnehmern und Therapeuten, die Verbesserung sozialer Kompetenzen.

Ziel ist einerseits die Steigerung der Lebenszufriedenheit Betroffener und andererseits die Verhinderung grenzüberschreitender Verhaltensweisen. In Einzelfällen oder zur Vorbereitung auf die Teilnahme in der Gruppe bieten wir zudem sexual- und psychotherapeutische Einzelgespräche an. Auch für Angehörige der Patienten wird ein begleitendes Angebot bereitgestellt, das im Paar- und/oder Gruppensetting erfolgt.

E-Mail: praevention.psysom [at] uniklinik-ulm.de
Tel.: +49 731 500 – 61960
https://www.kein-taeter-werden.de/ulm

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