Schulpsychologie und Psychotherapie

„Kinder und Jugendliche zwischen Unterricht und Therapie: Wie gelingt Kooperation zwischen Schule und Psychotherapie?“

(LPK BW)

Unter diesem Titel stand eine mit mehr als 50 Teilnehmern gut besuchte Veranstaltung am 5. Juni im Karlsruher Landesmedienzentrum, die von den Schulpsychologischen Beratungsstellen (SPBS) Karlsruhe und Pforzheim gemeinsam mit der Landespsychotherapeutenkammer Baden-Württemberg (LPK) durchgeführt wurde.

Ähnliche Workshops fanden bereits 2014/2015 zusammen mit den SPBS Backnang, Aalen und Reutlingen statt. Ziel ist das Kennenlernen und der Austausch der regionalen Beratungslehrkräfte, der SchulpsychologInnen und den in den jeweiligen Schulamtsbezirken ambulant arbeitenden Kinder- und Jugendlichen-PsychotherapeutInnen.

Durch den Vormittag führten die beiden Schulpsychologinnen Katja Reschke (SPBS Pforzheim) und Birgit Berger-Haas (SPBS Karlsruhe), die die Veranstaltung zusammen mit Dr. Rüdiger Nübling (LPK BW) organisiert hatten. Inhaltlich waren zwei Blöcke vorgesehen, einen Vortragsblock mit Impulsreferaten sowie einen „Austauschblock“ nach der Konzeption des World Cafés an kleinen Tischen in Gruppen von 5-10 Teilnehmern.

Zunächst gaben Birgit Berger-Haas und Katja Reschke eine Übersicht zur Schulpsychologie in Baden-Württemberg. Sie skizzierten den rechtlichen und strukturellen Rahmen, berichteten Statistiken u.a. zur Relation SchulpsychologInnen zu SchülerInnen im Ländervergleich und gaben Einblick in die Aufgaben und Arbeitsweise von Schulpsychologen.   

v.l.n.r.: Dorothea Groschwitz, Steffi Tebbert, Claudia Bönning, Dr. Dietrich Munz, Birgit Berger-Haas, Brigitte Arth-Haas, Katja Reschke

Anschließend referierte Kammerpräsident Dr. Dietrich Munz über die Tätigkeit niedergelassener Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutinnen und -Psychotherapeuten. Er thematisierte die psychotherapeutische Versorgung von Kindern und Jugendlichen in Baden-Württemberg, die besonders in ländlichen Gebieten häufig unzureichend ist. Die Versorgungslage kommt durch die Therapeutenzahl im Verhältnis zur Einwohnerzahl sowie in Form von Wartezeiten auf einen Therapieplatz zum Ausdruck. Herr Dr. Munz ging auch auf die gesetzlichen Richtlinien bzw. Indikationen für eine Psychotherapie ein und zeigte auf, dass Vernetzung wichtig ist, um Kinder und Jugendliche während einer Therapie sowohl (schul)organisatorisch als auch bei der Beziehungsgestaltung zu unterstützen. Er machte dabei aber auch auf die gesundheitspolitische Relevanz dieser Vernetzung aufmerksam, da für solche Kontakte in der Regel keine Ressourcen zur Verfügung stünden.

Brigitte Arth-Haas von der SPBS Pforzheim ging hiernach auf die Aufgaben und Tätigkeitsfelder der Beratungslehrkräfte ein. Diese versorgen die Schulen vor Ort durch ihre direkte Ansprechbarkeit und Beratungskompetenz. Sie sind insbesondere Ansprechpartner für SchülerInnen und ggf. deren Eltern, v.a. bei Schulschwierigkeiten bzw. Lern_/Leistungsbeeinträchtigungen, sie unterstützten aber u.a. auch ihre KollegInnen sowie auch die Schulleitungen bei Konflikten mit Schülern/Eltern.

Abschließend berichteten Steffi Tebbert und Claudia Bönning (Klinikschule der Kinder- und Jugendpsychiatrie Karlsruhe) von ihrer pädagogischen Arbeit mit psychisch Erkrankten SchülerInnen und zu ihrem Beratungsangebot für unterschiedliche Kinder- und Jugendpsychiatrischer Krankheitsbilder.

Nach diesen fachlichen Einstimmungen erfolgte nach einer kurzen Pause der Übergang zum gemeinsamen Austausch im Rahmen eines „World-Cafés“.

Wichtige Ergebnisse

  • Bessere Möglichkeiten zur Vernetzung durch Veranstaltungen wie dieser
  • Weitere Zusammenarbeit möglich und nötig in komplexen Problemstellungen, zur Aufrechterhaltung der Motivation sowie zum besseren Verständnis der Kinder und dessen, was Therapie ist und wie sie wirkt.
  • Es besteht Bedarf an grundlegenden Informationen wie Kennenlernen der Beteiligten / voneinander wissen, Adressen, Zuständigkeiten, Arbeits- und Vorgehensweisen sowie deren Grenzen.
  • Stärkung von Sensibilität für Therapiebedarf und Therapiebereitschaft
  • Zeit-/Terminfindung: Unbekannte sowie unterschiedliche Sprechzeiten, fehlende Ressourcen für Gespräche sowie lange Wartezeiten für Psychotherapie.
  • Probleme bei Aufhebung der Schweigepflicht, vor allem wenn eine Partei (Kind, Eltern) dies nicht wolle oder die Erziehungsberechtigung unklar sei.
  • Vereinbarkeit von (Ganztages)Schule mit Therapieterminen bedarf individueller Klärung.
  • Austausch Information zwischen den Systemen nötig/wichtig, (Therapie, Medizin, Schule, Jugendhilfe).
  • Zugang zu Psychotherapeuten-Adressen: Suchfunktionen auf den Homepages der Landespsychotherapeutenkammer (http://www.lpk-bw.de/psd_suche.php) und der Kassenärztlichen Vereinigung (http://www.arztsuche-bw.de).

Alle Beteiligten befürworten einen weiteren Austausch. Insgesamt trafen die Veranstalter auf eine sehr positive Resonanz, weshalb auch eine Fortführung solcher Veranstaltungen und auch inhaltliche Vertiefung diskutiert wurde. Ein großes Dankeschön gab es abschließend an das professionelle Organisationsteam des Landesmedienzentrums Karlsruhe um Susanne Onnen.

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